Kurze Antwort
Ungeschorene Pferde mit dichtem Winterfell kommen bei trockenem, windstillem Wetter meist ganz ohne Decke aus, denn ihr Fell isoliert bis knapp unter null Grad. Bei MHS Pferdesport empfehlen wir eine wasserdichte Outdoor-Decke erst bei anhaltendem Regen, starkem Wind oder für alte, kranke oder dünnhäutige Pferde ohne Unterstand.
Jeden Herbst wird mir im Stall dieselbe Frage gestellt: Muss das Pferd jetzt eine Decke bekommen, obwohl es gar nicht geschoren ist? Meist steckt dahinter die Sorge, dass ein Pferd ohne Decke friert, sobald die Temperaturen fallen. Dabei übersehen viele Pferdehalter, wie gut ein intaktes Winterfell allein funktioniert.
In der Praxis sehe ich oft das Gegenteil des befürchteten Problems: Pferde, die trotz dicken Fells eingedeckt werden, obwohl sie das gar nicht bräuchten. Dadurch wird das Fell plattgedrückt und verliert genau die Isolierwirkung, die es eigentlich liefern soll.
In diesem Beitrag zeige ich, worauf es bei ungeschorenen Pferden im Winter wirklich ankommt: nicht auf die Zahl auf dem Thermometer, sondern auf Wetterlage, Unterstand und den individuellen Zustand des Pferdes.
- Wind und Nässe beeinträchtigen die Isolierwirkung des Winterfells stärker als reine Kälte. Deshalb entscheidet die Wetterkombination über die Decke, nicht das Thermometer allein.
- Ungeschorene Pferde benötigen deutlich weniger Füllung als geschorene, weil ihr Fell bereits isoliert. Eine 200-g-Decke deckt die meisten Fälle ab.
- Auf dem Paddock oder im Offenstall ist Wasserdichtigkeit wichtiger als Wärme, während in der trockenen Box eine leichte, gut sitzende Stalldecke ausreicht.
- Alter, Krankheit, Untergewicht und ein fehlender Unterstand erhöhen den Deckenbedarf eines einzelnen Pferdes – unabhängig davon, wie die übrige Herde zurechtkommt.
- Zittern, ein aufgezogener Rücken, kalte Ohren und das Aufsuchen windgeschützter Ecken zeigen zuverlässig, wann das Fell allein nicht mehr ausreicht.
Brauchen ungeschorene Pferde im Winter überhaupt eine Decke?
Ein gesundes, ausgewachsenes Pferd mit vollem Winterfell reguliert seine Körpertemperatur meist ganz allein, ohne Decke. Das Fell richtet sich bei Kälte auf und bildet eine isolierende Luftschicht. Hinzu kommt eine dickere Fettschicht unter der Haut, die zusätzlich wärmt.
Laut der University of Minnesota Extension kommen Pferde mit intaktem, ungeschorenem Haarkleid auch bei niedrigen Temperaturen ohne Decke aus, solange sie trocken bleiben und Zugang zu einem Unterstand haben. Das Fell allein leistet dabei die eigentliche Arbeit.
Eine Decke wird erst dann wichtig, wenn Nässe, Wind oder ein fehlender Unterschlupf diese Isolierwirkung zunichtemachen. Nasses Fell verklebt und verliert die schützende Luftschicht, starker Wind drückt das aufgestellte Fell platt, und ohne Rückzugsmöglichkeit ist das Pferd beidem schutzlos ausgesetzt.
Solange diese drei Faktoren fehlen, friert ein gesundes Pferd ohne Decke am wenigsten. Eine unnötig aufgelegte Decke drückt das Fell nieder und nimmt ihm genau die Fähigkeit, Luft einzuschließen und selbst zu wärmen.
Ab welcher Temperatur brauchen ungeschorene Pferde eine Decke?
Die Temperatur allein entscheidet nicht darüber, ob ein ungeschorenes Pferd eine Decke braucht. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Kälte, Wind und Feuchtigkeit.
Bei trockenem, windstillem Wetter und Zugang zu einem Unterstand kommen die meisten ungeschorenen Pferde bis in den Bereich um 0 °C und darunter ganz ohne Decke aus, wie auch die University of Minnesota Extension bestätigt. Das Fell bleibt trocken, kann sich aufstellen und hält die Wärme am Körper.
Sobald Regen, Schneeregen oder starker Wind hinzukommen, ändert sich die Lage grundlegend. Nasses Fell verliert seine Isolierwirkung fast vollständig, und Wind drückt die aufgestellten Haare platt. Für das Pferd fühlt sich die Witterung dann deutlich kälter an, als das Thermometer anzeigt.
Genau bei dieser Wetterlage brauchen ungeschorene Pferde eher eine wasserdichte Schicht als zusätzliche Wärme durch eine dicke Fütterung. Die folgende Übersicht zeigt, wann welche Reaktion sinnvoll ist:
Wetterlage und Deckenbedarf für ungeschorene Pferde
| Temperatur/Wetter | Zustand des Pferdes | Empfehlung |
|---|---|---|
| Trocken, windstill, über 0 °C | Gesundes Pferd mit vollem Fell, Unterstand vorhanden | Keine Decke nötig |
| Trocken, windstill, um oder unter 0 °C | Gesundes Pferd, Unterstand vorhanden | Meist weiterhin keine Decke nötig |
| Regen oder Schneeregen, unabhängig von der Temperatur | Gesundes Pferd ohne Unterstand | Eine wasserdichte Outdoor-Decke wie die OUTDOOR-DECKE FRIDA ist sinnvoll |
| Frost mit Wind, kein Unterstand | Altes, dünnhäutiges oder krankes Pferd | Eine Outdoor-Decke mit 200 g Füllung wie die OUTDOOR-DECKE THORA 600D 200 GSM ist angebracht |
| Trockene, kalte Nacht in der Box | Älteres oder mageres Pferd | Stalldecke Highliner 200 als leichte Unterstützung |
Welche Deckenfüllung eignet sich für ungeschorene Pferde?
Bei der Grammatur, also der Füllmenge einer Decke, brauchen ungeschorene Pferde deutlich weniger als geschorene, weil das eigene Fell bereits einen Großteil der Isolierung übernimmt. Eine Decke mit 200 g Füllung, wie die Stalldecke Highliner 200 oder die OUTDOOR-DECKE THORA 600D 200 GSM, reicht für die meisten ungeschorenen Pferde bei Frost und Nässe völlig aus.
Muss nur Nässe und Wind abgehalten werden, ohne dass zusätzliche Kälte ein Problem ist, genügt eine ungefütterte oder sehr leichte Regenschutzhülle wie die Regenschutzhülle Thor 200 WI25. Sie hält das Fell trocken, ohne es zusätzlich zu wärmen, was bei einem Pferd mit vollem Winterfell oft schon reicht.
Wichtig: Bei einem dick befellten Pferd führt zu viel Füllung schneller zu Problemen als zu wenig. Schwitzt das Pferd unter einer zu warmen Decke, kühlt das feuchte Fell danach stärker aus als unbedecktes, trockenes Fell. Im Zweifel lieber eine Grammatur niedriger wählen und den Fellzustand regelmäßig unter der Decke kontrollieren.
Regenschutzhülle Thor 200 WI25
Regendecke oder Stalldecke - was brauchen ungeschorene Pferde im Freien?
Auf Paddock oder Offenstall zählt für ungeschorene Pferde vor allem Wasserdichtigkeit, nicht viel Füllung. Das Fell übernimmt die Wärmedämmung, die Decke muss nur trocken halten.
Für diesen Zweck eignet sich die OUTDOOR-DECKE FRIDA mit ihrem wasserdichten, atmungsaktiven 1200D Ripstop-Außenmaterial. Sie hält Regen ab, ohne das Fell unter der Decke feucht zu schwitzen, was für Pferde wichtig ist, die den ganzen Tag draußen stehen.
Steht das Pferd nachts trocken in der Box, ohne Regenbelastung, reicht dagegen eine schlichte Stalldecke. Die Stalldecke Highliner 200 mit ihrem Mini-Halsausschnitt und 200 g Füllung passt für diese Situation, weil hier keine Wasserdichtigkeit gefragt ist, sondern nur eine leichte, formschöne Passform.
Für kurze, nasse Wetterphasen ohne echten Kältebedarf, etwa an einzelnen Regentagen im Spätherbst, reicht oft eine reine Regenhülle. Die Regenschutzhülle Thor 200 WI25 mit Zwickel, Schwanzklappe und gekreuzten Bauchgurten hält Nässe fern, ohne das Pferd unnötig einzupacken. Welche der drei Varianten passt, hängt also weniger vom Kalender ab als davon, ob das Pferd draußen im Regen steht oder trocken in der Box übernachtet.
Welche ungeschorenen Pferde brauchen trotz Fell zusätzlichen Schutz?
Alte Pferde brauchen trotz vollem Winterfell oft früher eine Decke, weil ihr Fellwachstum mit den Jahren nachlässt und sie Körperwärme schneller verlieren als jüngere Tiere. Auch dünnhäutige oder untergewichtige Pferde profitieren früher von einer Decke, denn ihnen fehlt die Fettschicht, die bei gut konditionierten Pferden zusätzlich isoliert.
Der Zugang zum Unterstand entscheidet ebenfalls mit. Pferde ohne trockenen, windgeschützten Rückzugsort sind bei Regen und Wind stärker gefährdet als Pferde, die sich jederzeit unterstellen können, selbst wenn beide dasselbe dichte Winterfell tragen.
Kranke oder genesende Pferde gehören ebenfalls zu dieser Gruppe. Ihre Temperaturregulation arbeitet oft schlechter als bei gesunden Herdenmitgliedern, deshalb greife ich bei Grenzwetter für sie eher zur Decke, auch wenn der Rest der Herde noch problemlos ohne auskommt. In der Praxis schaue ich also nicht auf ein einzelnes Pferd als Maßstab für die ganze Gruppe, sondern auf Alter, Kondition, Gesundheit und Unterstellmöglichkeit jedes einzelnen Tieres.
Wie erkenne ich, dass mein Pferd friert, obwohl es nicht geschoren ist?
Sichtbares Zittern ist bei einem ungeschorenen Pferd das deutlichste Zeichen dafür, dass das Fell die Kälte nicht mehr ausgleicht. Zittern erzeugt Wärme durch Muskelbewegung, das Pferd springt also bereits auf einen Notmechanismus um.
Ein aufgezogener Rücken und angespannte Flanken zeigen, dass dein Pferd aktiv Körperwärme spart. Die Muskulatur zieht sich zusammen, um die Wärmeabgabe über die Körperoberfläche zu verringern, was von außen wie eine verkrampfte, geduckte Haltung wirkt.
Kalte Ohren und ein kalter Bereich hinter dem Widerrist deuten auf Auskühlung hin, selbst wenn das restliche Fell trocken und unauffällig wirkt. Beide Stellen kühlen zuerst aus, weil die Durchblutung dort bei Kälte zurückgefahren wird, um den Kernbereich des Körpers zu schützen.
Ein Pferd, das sich ungewöhnlich wenig bewegt und sich in eine Ecke des Unterstands drängt, sucht aktiv nach Windschutz. Gesunde Pferde bewegen sich bei Kälte normalerweise, um sich warmzuhalten. Bleibt die Bewegung aus und wird stattdessen die windgeschützteste Stelle gesucht, ist das ein klares Signal, dass das Fell allein gerade nicht mehr ausreicht.
Decken für ungeschorene Pferde im Vergleich
| Produkt | Einsatzbereich | Füllung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Regenschutzhülle Thor 200 WI25 | Nasse Übergangstage ohne starke Kälte | 200 g Polyesterfüllung | Nahtlose Rückseite, mit Zwickel und Schwanzklappe |
| Stalldecke Highliner 200 | Trockene, kalte Nächte in der Box | 200 g Füllung, 300D Polyester | Komfortabler Mini-Halsausschnitt |
| OUTDOOR-DECKE FRIDA | Nasser Paddock oder Offenstall | Nicht wattiert | Wasserdichtes, atmungsaktives 1200D Ripstop-Außenmaterial |
| OUTDOOR-DECKE THORA 600D 200 GSM | Windige, nasse Tage im Freien | 200 g Füllung | 600D Ripstop-Polyester mit Widerristschutz und Kreuzbegurtung |
Decke ja oder nein: die Entscheidung für heute Abend
Steht dein Pferd trocken und windgeschützt, lass das Fell seine Arbeit machen und verzichte auf die Decke. Für die meisten gesunden, ungeschorenen Pferde ist das die richtige Wahl, gerade jetzt, wo das Fell noch voll isoliert.
Ändert sich das Wetter oder der Zustand des Pferdes, greife ich zur passenden Decke aus der Übersicht oben, von der Regenschutzhülle Thor 200 WI25 über die OUTDOOR-DECKE FRIDA bis zur OUTDOOR-DECKE THORA 600D 200 GSM. Am Ende zählt nicht die Marke oder das Modell, sondern dass du die Entscheidung jeden Tag neu am Pferd selbst triffst, statt sie einmal für die ganze Saison zu treffen.
Geh heute Abend einmal mit der Hand durchs Fell und prüfe, ob es trocken, dicht und aufgestellt ist oder platt und feucht wirkt. Dieser kurze Check sagt dir mehr als jeder Blick aufs Thermometer.
Vor dem Eindecken hilft ein kurzer Check, damit du nicht nach Gefühl, sondern nach Zustand und Wetter entscheidest.
- Fell und Hautzustand vor jeder Entscheidung prüfen: dick, trocken und glänzend oder dünn und struppig
- Wetterlage checken: Temperatur allein reicht nicht, Wind und Niederschlag mit einbeziehen
- Bei Dauerregen ohne Unterstand eine wasserdichte Outdoor-Decke wie die OUTDOOR-DECKE FRIDA einsetzen
- Für kalte, windige Tage im Offenstall eine 200 g gefütterte Decke wie die OUTDOOR-DECKE THORA 600D 200 GSM wählen
- Für trockene, kalte Boxennächte reicht oft eine Stalldecke wie die Stalldecke Highliner 200
- Decke täglich auf Nässe darunter, Scheuerstellen und korrekten Sitz kontrollieren
- Bei alten, kranken oder sehr mageren Pferden früher eindecken als bei gesunden Herdenmitgliedern
Muss ein ungeschorenes Pferd auch nachts eine Decke tragen, wenn es tagsüber ohne auskommt?
Nein, ein ungeschorenes Pferd braucht nachts nicht automatisch eine Decke, nur weil die Temperatur sinkt. Nachts fällt zwar oft die Windgeschwindigkeit, gleichzeitig sinkt aber auch die Temperatur weiter ab, deshalb zählt vor allem, ob das Pferd trocken steht und sich hinlegen oder bewegen kann. Ein Pferd, das tagsüber ohne Decke gut zurechtkommt und nachts trocken und geschützt in Box oder Unterstand steht, kommt in aller Regel auch über Nacht ohne aus.
Wie lange kann ein ungeschorenes Pferd bei Dauerregen ohne Regendecke draußen bleiben?
Ein ungeschorenes Pferd sollte bei echtem Dauerregen nicht über mehrere Stunden ungeschützt draußen bleiben, selbst wenn ein Unterstand vorhanden ist, den es nicht konsequent nutzt. Manche Pferde ignorieren den Unterstand aus Herdenverhalten oder weil ein ranghöheres Tier ihn blockiert, und stehen dann trotz Zugang durchnässt im Regen. Wer beobachtet, dass sein Pferd den Unterstand bei Dauerregen nicht zuverlässig aufsucht, sollte eher zur Regendecke greifen, statt sich allein auf die Wahlfreiheit des Pferdes zu verlassen.
Kann ein ungeschorenes Pferd unter der Decke schwitzen und überhitzen?
Ja, ein ungeschorenes Pferd kann unter einer Decke schwitzen und überhitzen, besonders bei plötzlichem Wetterumschwung von Frost zu milden Temperaturen. Weil das dichte Winterfell bereits selbst isoliert, reicht schon eine kurze Wärmeperiode unter einer zu warm gewählten Decke, um Schweißbildung auszulösen. Feuchtes Fell unter der Decke trocknet schlecht, was das Risiko für Hautreizungen und spätere Auskühlung erhöht, deshalb lohnt sich bei Tauwetter ein kurzer Griff unter die Decke am Hals oder an der Flanke.
Wie oft sollte ich die Decke bei ungeschorenen Pferden auf Passform und Nässe kontrollieren?
Am besten kontrollierst du die Decke bei ungeschorenen Pferden einmal täglich, idealerweise beim Füttern oder Ausmisten, wenn du ohnehin am Pferd bist. Dabei prüfst du Nässe unter der Decke, Scheuerstellen an Schulter und Brust sowie den Sitz der Gurte, weil sich diese durch Wälzen oder Bewegung im Offenstall lösen können. Bei anhaltendem Regen oder starkem Wind lohnt sich eine zweite Kontrolle am Abend, um Nässe frühzeitig zu bemerken.
Brauchen Fohlen oder junge Pferde ohne Schur eine andere Decke als ausgewachsene Pferde?
Fohlen und junge Pferde brauchen in erster Linie eine Decke mit passender Schnittform für ihren noch wachsenden Körperbau, nicht zwingend eine andere Grammatur. Weil sie sich mehr bewegen und häufiger wälzen als ausgewachsene Pferde, sollte die Decke besonders robust verarbeitet sein und sich mit verstellbaren Gurten an das Wachstum anpassen lassen. Ihr Wärmehaushalt unterscheidet sich sonst kaum von dem gesunder erwachsener Pferde, solange sie über ein vollständig ausgebildetes Winterfell verfügen.
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